Afghanistan

Das Schweizer Engagement in Afghanistan zielt darauf ab, Armut, menschliches Leid und den Verlust von Menschenleben zu reduzieren. Die Schweiz trägt dazu bei, die Achtung der Menschenrechte zu erhöhen und den Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen zu verbessern. Darüber hinaus trägt die Schweiz zur Verbesserung der ländlichen Lebensgrundlagen bei und fördert den Zugang zu qualitativ hochwertiger Grundbildung.

Das Schweizer Kooperationsbüro ist aufgrund der gravierenden Sicherheitslage seit dem 15. August 2021 vorübergehend geschlossen. Das Schweizer Personal und die lokalen Mitarbeitenden des Kooperationsbüros sowie ihre Angehörigen wurden aus Kabul evakuiert.

Die Schweiz wird ihr Engagement aufrechterhalten und prüft, wie sie den Bedürfnissen mit ihren Beiträgen und Programmen unter den geänderten Bedingungen nachkommen kann. Sie wird die Lage gemeinsam mit ihren lokalen und internationalen Partnern beurteilen und über Optionen und Massnahmen zur Unterstützung der afghanischen Bevölkerung entscheiden.

Für weitere Informationen:

Karte von Afghanistan
©DEZA 2014 Natural Earth

In den letzten vier Jahrzehnten war Afghanistan Schauplatz von verschiedenen bewaffneten Konflikten. Die lange Zeit des Krieges hat enormes menschliches Leid verursacht. Die Institutionen wurden geschwächt und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung wurde behindert. Afghanistan gehört heute zu den ärmsten und fragilsten Ländern der Welt. Dennoch wurden seit 2001 wichtige Fortschritte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, ländliche Entwicklung, Justiz und gute Regierungsführung erzielt. Eine weitere internationale Unterstützung der afghanischen Reformagenda ist enorm wichtig, um die bisher erreichten Resultate zu erhalten und sicherzustellen, dass alle Afghaninnen und Afghanen gleichermassen von diesen Fortschritten profitieren können.

Die Schweiz zeichnet sich in Afghanistan durch ihre langjährige Erfahrung und durch die hohe Qualität der umgesetzten Projekte aus. Auch genießt die Schweiz großes Vertrauen, seitens der Regierung wie auch seitens der Bevölkerung. Ziel der Schweizer Kooperationsstrategie für Afghanistan 2019-2022 ist es, Armut, menschliches Leid und den Verlust von Menschenleben in Afghanistan zu reduzieren. Sie fördert eine friedliche Gesellschaft mit rechtsstaatlichen und bürgernahen Institutionen, welche sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren. Die Aktivitäten der Schweiz richten sich auf drei miteinander verbundene Bereiche aus: 1) Rechtsstaatlichkeit und Schutz 2) Landwirtschaft und Management natürlicher Ressourcen und 3) Grundbildung.

Rechtsstaatlichkeit und Schutz

Die Schweiz trägt zur Förderung und zum Schutz der Menschenrechte bei. Sie unterstützt die nationale Menschenrechtskommission und Organisationen der Zivilgesellschaft in diesem Bereich. Auch trägt die Schweiz dazu bei, das Vertrauen zwischen der Bevölkerung und der afghanischen Regierung zu stärken, indem sie den Zugang zu Justizdienstleistungen für Frauen und Männer verbessert und institutionelle Reformen des Jusitzsystem unterstützt. So hat die Schweiz zur Etablierung von Gerichtshöfen in 16 Provinzen beigetragen, welche auf Rechtsprechung bei Gewalt gegen Frauen spezialisiert sind.  Weiter leistet die Schweiz über die wichtigsten humanitären Organisationen des Landes einen Beitrag zur lebensrettenden Hilfe. Auf der politischen Ebene setzt sich die Schweiz für den Schutz und die langfristige Wiedereingliederung von intern Vertriebenen und Rückkehrenden ein, sowie auch für einen verbesserten Zugang zu humanitärer Hilfe für Notleidende. 

Landwirtschaft und Management natürlicher Ressourcen

Die Schweiz unterstützt Kleinbauernfamilien in abgelegenen und bergigen Gebieten ihre Produktivität zu steigern und ihre natürlichen Ressourcen nachhaltig zu bewirtschaften. Frauen werden in die Aktivitäten einbezogen, entsprechend den Möglichkeiten in dem teilweise sehr konservativen Umfeld. Mögliche Auswirkungen von Naturgefahren und Klimawandel werden ebenfalls berücksichtigt und durch entsprechende Maßnahmen gemildert. Die Schweiz interveniert hier mehrheitlich indirekt, durch eine Stärkung der öffentlichen Dienstleistungen des afghanischen Staates für die Kleinbauern. Zudem unterstützt die Schweiz das Welternährungsprogramm, welches Nahrungsmittelhilfe leistet und die Vermögensbildung fördert.

Landwirtschaft und Ernährungssicherheit

Grundbildung 

Die Rolle der Grundbildung für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Gemeinschaft ist zentral. Die Schweiz setzt sich ein, für die Verbesserung des Zugangs zu einer qualitativ guten Grundbildung für alle. Hierzu werden die betroffenen Gemeinschaften eng in den Schulbetrieb eingebunden. Im Dialog mit Eltern, Lehrern und Dorfgemeinschaften setzt die lokale Regierung Maßnahmen für sichere und förderliche Lernumgebungen um. Zudem stärkt die Schweiz die Aufsichtsbehörden des Bildungssystems: Die Schulen und das Lehrpersonal erhalten Beratung und Unterstützung zur Verbesserung der Qualität der Grundbildung. Kinder, die vom Konklikt betroffen sind, haben dank spezifischen humanitären Massnahmen Zugang zu Bildung in einem sicheren Umfeld.

Grundbildung und Berufsbildung

Herangehensweise und Partner

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe der Schweiz in Afghanistan ergänzen sich gegenseitig. Bei der Entwicklungszusammenarbeit liegt der Fokus auf den strukturellen Herausforderungen, während die humanitäre Hilfe in Krisensituationen eingesetzt wird. Umsetzungspartner sind UN-Institutionen, sowie afghanische, schweizerische und internationale Nichtregierungsorganisationen.