Ein menschenwürdiges Leben für Obdachlose in der Slowakei

Projekt abgeschlossen

Nach dem Kältewinter 2005-2006, in dem mindestens 19 Obdachlose in den Strassen von Bratislava erfroren sind, lancierte die Nichtregierungsorganisation Depaul Slovensko das Projekt „Soziale Dienstleistungen für Obdachlose in Bratislava“. Ziel ist es, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern, die am Rande der Gesellschaft leben und oft an Drogen- und Alkoholsucht leiden. Das Projekt umfasst ein Obdachlosenheim sowie eine Tagesstätte und zwei Wohnheime, deren Dienstleistungen allen Bedürftigen bedingungslos zur Verfügung stehen.

Land/Region Thema Periode Budget
Slowakei
Zivilgesellschaft stärken
Nichtregierungsorganisationen
08.07.2011 - 31.12.2015
CHF  5’510’901

Hinweis: Die Texte in allen Rubriken, mit Ausnahme «Erreichte Resultate», beschreiben die Situation vor Projektbeginn.

Geschätzte 3600 Menschen leben in Bratislava auf der Strasse. Obdachlose können sich zwar an verschiedene Institutionen wenden, diese stellen jedoch Bedingungen: um sich in diesen Heimen aufhalten zu können, müssen die Männer und Frauen nüchtern und in einem „angemessenen Zustand“ sein. Keine der Obdachlosen, die im Winter 2005-2006 umgekommen sind, konnten diese Bedingungen erfüllen. Daraufhin eröffnete Depaul Slovensko eine Notschlafstelle, in der alle bedürftigen Menschen hinsichtlich ihres Erscheinungsbildes oder Zustandes bedingungslos aufgenommen werden. Allerdings werden sie auf Waffen- und Drogenbesitz hin kontrolliert und bei der Aufnahme registriert. Seitdem sind keine neuen Fälle von Obdachlosen, die auf offener Strasse erfroren sind, bekannt geworden. In der Notschlafstelle ist kein Sicherheitspersonal angestellt, nur Betreuungspersonen.

 

Das Pilotprojekt besteht aus verschiedenen Komponenten:
 

  • Ein sicherer Ort zum Übernachten
    Im St. Vincent de Paul Obdachlosenheim erhalten jede Nacht über 150 Menschen eine sichere Schlafstelle und eine warme Mahlzeit. Zudem können sie saubere Kleider beziehen und duschen. Das sind erste, wichtige Schritte zu einem menschwürdigen Leben. Den Besucherinnen und Besuchern steht ausserdem medizinische Versorgung zur Verfügung. Ältere und kranke Menschen, die tagsüber das Heim nicht verlassen können, halten sich in Tagesstätten auf.
     

  • Ein Notfallzentrum für einfache Versorgung
    Das St. Elisabeth Zentrum ist eine Anlaufstelle für kleinere medizinische Probleme, wie beispielsweise die Behandlung einer Wunde. Obdachlose müssen sich nicht voranmelden.
     

  • Eine Klinik für medizinische Versorgung
    Die St. Louise de Marillac Klinik ist ein Wohnheim mit 30 Betten und einem medizinischen Angebot für Menschen mit schweren und langfristigen Gesundheitsproblemen. Von dieser Dienstleistung machen beispielsweise Menschen Gebrauch, die aus dem öffentlichen Spital entlassen wurden, weiter Behandlung benötigen, aber nicht wissen, wo sie sich aufhalten sollen. Sie erhalten Essen und Unterkunft sowie soziale und medizinische Behandlung und Betreuung.
     

  • Beratung für langfristige Lösungen
    Die Beratung ist seit Projektbeginn von zentraler Bedeutung: Geschultes Personal, darunter Freiwillige aus Westeuropa, berät und unterstützt Obdachlose bei der Suche nach einem Weg aus ihrer Situation. Wo möglich begleitet das ausgebildete Personal Obdachlose zurück in ein stabiles und selbstständiges Leben.

Immer mehr Langzeitkranke, bewegungsunfähige Menschen und Personen, die aus dem öffentlichen Spital entlassen werden und keinen Ort haben, wo sie längerfristige Betreuung beanspruchen können, nehmen die Dienstleistungen der Organisation in Anspruch. Der Winter 2011-2012 war so kalt wie derjenige von 2005-2006: Während in Bratislava keine Todesfälle vorkamen, starben in umliegenden Ländern mehrere Obdachlose in der Kälte.

Planen für die nächsten 20 Jahre


Das Obdachlosenheim kann, nach einem Entscheid der Stadtregierung von Bratislava 2011, weitere 20 Jahre im heutigen Gebäude bestehen bleiben. Diese langfristige Unterstützung erlaubt nun, dass bauliche Verbesserungen vorgenommen und die Dienstleistungen ausgebaut werden. Gegenwärtig sind alle Obdachlose im gleichen Saal untergebracht. Durch bauliche Massnahmen können beispielsweise Kranke von Gesunden getrennt, und so der Aufenthalt für alle angenehmer gemacht werden.

 

Weitere geplante Verbesserungen:
 

  • Der Ausbau der Stellenprozente für Sozialarbeit auf 200% ermöglicht eine individuellere Zusammenarbeit mit den Obdachlosen.

  • In Gruppen- und Einzeltherapien werden persönliche Zukunftspläne erarbeitet und längerfristige Lösungen gesucht. Bis 2015 soll mit 60 Obdachlosen ein individueller Zukunftsplan erarbeitet werden.

  • Durch die Schulung und Weiterbildung von Angestellten wird die Qualität der angebotenen Dienstleistungen verbessert.

  • Mit Kunst- und Arbeitstherapien soll die Arbeitsfähigkeit der Obdachlosen, und somit die Chance auf eine bezahlte Arbeit, verbessert werden. Mindestens 20 Obdachlose werden pro Jahr in drei Firmen eine Arbeitstherapie durchführen.

Durch diese Massnahmen entsteht ein neues Modell für die Erbringung sozialer Dienstleistungen an Obdachlose, das auch von anderen Organisationen die mit Obdachlosen arbeiten, umgesetzt werden kann.

Weltweit für Obdachlose im Einsatz


Depaul International, die Dachgesellschaft verschiedener Wohltätigkeitsorganisationen, kümmert sich weltweit um Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, insbesondere um Obdachlose. Die Organisation, 2004 in Grossbritannien gegründet, hat Zentren in Irland, in der Ukraine und in den Vereinigten Staaten. Depaul Slovensko (Slowakei) wurde 2006 gegründet.