Ein zertifizierter Rettungsdienst für Marokko

Projekt abgeschlossen
Zwei Rettungshelfer üben mit einem Ortungsgerät im Innern eines zerstörten Hauses.
Für die Zertifizierung müssen die Rettungskräfte alle Ortungsmethoden zur Rettung von Verschütteten beherrschen. © DEZA ©

Marokko verfügt als erstes afrikanisches Land über einen Such- und Rettungsdienst, der die einschlägigen internationalen Anforderungen erfüllt. Die Schweiz hat während mehreren Jahren Expertinnen und Experten des marokkanischen Zivilschutzes ausgebildet. Dank der Schaffung eines rasch einsatzfähigen und effizienten Katastrophendiensts können Schäden verringert und die Opferzahl bei Erdbeben gesenkt werden.

Land/Region Thema Periode Budget
Marokko
Klimawandel & Umwelt
Humanitäre Hilfe & DRR
Reduktion von Katastrophenrisiken DRR
Materielle Nothilfe
01.03.2014 - 31.12.2016
CHF 890'000

Die Schweiz hat bei Naturkatastrophen in Marokko bereits mehrmals Verstärkung zur Verfügung gestellt, so zum Beispiel 2004. Deshalb bat das marokkanische Aussenministerium die Schweiz im Jahr 2008, dem Land zu helfen, nationales Know-how im Bereich des Rettungswesens aufzubauen.

Die DEZA erklärte sich bereit dazu und bezog die Rettungskette Schweiz mit ein. Diese verfügt über eine Zertifizierung der Internationalen Beratungsgruppe für Such- und Rettungsdienste (INSARAG) sowie über langjährige Erfahrung mit Nothilfeeinsätzen.

Die INSARAG-Zertifizierung bestätigt, dass ein Such- und Rettungsteam fähig ist, bei grösseren Katastrophen, insbesondere nach einem schweren Erdbeben, Einsätze zu leisten. Zum erforderlichen Know-how gehören spezifische Kompetenzen in den Bereichen Krisenmanagement, Ortung und Rettung von Opfern, Notfallmedizin und Logistik.

Ausbildung von rund hundert marokkanischen Spezialistinnen und Spezialisten

In diesen fünf Bereichen leisteten die Expertinnen und Experten der DEZA, des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe, der Schweizer Armee und des Schweizerischen Vereins für Such- und Rettungshunde (REDOG) Unterstützung. Dank dem Programm konnte ein urbaner Such- und Rettungsdienst (Urban Search and Rescue, USAR) innerhalb des marokkanischen Zivilschutzes geschaffen werden. Diese nationale Einheit unter der Leitung des Innenministeriums setzt sich aus rund hundert Spezialistinnen und Spezialisten zusammen, darunter Rettungshelfer, Ärzte und Hundeführer.

Im Rahmen dieser Ausbildung fanden realitätsnahe Übungen in Marokko und in der Schweiz statt. Das marokkanische Rettungsteam trainierte zum Beispiel im Oktober 2013 und im Mai 2014 in der Schweiz. Im Rahmen eines fiktiven Szenarios wurde die Fähigkeit des Teams getestet, in einem anderen Land zusammen mit den lokalen Behörden und anderen Rettungsteams einen Einsatz zu leisten.

Erstes afrikanisches Land mit einem INSARAG-zertifizierten Team

Nach einer über 70-stündigen Prüfung erlangte Marokko Ende Oktober 2014 als 40. Land und erster Staat auf dem afrikanischen Kontinent die INSARAG-Zertifizierung für seinen Such- und Rettungsdienst. Unter den aufmerksamen Blicken der internationalen Expertinnen und Experten stellten die marokkanischen Rettungshelfer ihr Know-how an der Seite der Rettungskette Schweiz unter Beweis. Diese absolvierte gleichzeitig ihre Rezertifizierung (INSARAG-zertifizierte Teams müssen alle fünf Jahre eine neue Prüfung ablegen).

Nun kann der marokkanische Zivilschutz mit allen international anerkannten Techniken und Methoden Hilfe leisten. Zudem erlaubt ihm diese Auszeichnung bei grossen Naturkatastrophen, z. B. einem schweren Erdbeben oder einem Tsunami, zu internationalen Hilfsaktionen aufgeboten werden.

Schweizer Unterstützung für das integrierte Risikomanagement in Marokko

Die Schweiz unterstützt Marokko auch bei der Umsetzung einer nationalen Strategie für ein integriertes Risikomanagement. Das Ziel besteht auch hier darin, die Kapazitäten des Landes zur Bewältigung von Katastrophen zu stärken, indem die Risiken in die marokkanische Entwicklungspolitik integriert werden.

Die Schweiz hat dem marokkanischen Innenministerium einen Experten zur Seite gestellt, um den Übergang von der Theorie in die Praxis zu erleichtern und zu beschleunigen. Zudem finanziert sie technische Studien und die Errichtung einer Datenbank über potenzielle Risiken.